Interview: Die Forschungsgruppe LABOR SwissLux
Interview: Die Forschungsgruppe LABOR SwissLux
Das 12. UniGR-CBS Forum Großregion wird dieses Jahr erneut in Zusammenarbeit mit der Forschungsgruppe „LABOR SwissLux – Labour across Borders“ organisiert. Die Gruppe zählt Forscher:innen aus Luxemburg und der Schweiz und untersucht die Dynamiken der rund 640.000 Grenzgänger:innen, die in beiden Ländern jeweils arbeiten.
Aus diesem Anlass hat das UniGR-CBS mit Isabelle Pigeron-Piroth, Sprecherin der Forschungsgruppe LABOR SwissLux und UniGR-CBS-Mitglied, über die Entstehung der Gruppe, ihre Forschung sowie aktuelle Perspektiven der Grenzgänger:innenbeschäftigung gesprochen.
Erzählen Sie uns von der Entstehung der Forschungsgruppe LABOR SwissLux und Ihren persönlichen Beweggründen, sich in der Gruppe zu engagieren.
Gemeinsam mit mehreren Kolleg:innen aus dem UniGR-CBS haben wir im Oktober 2017 eine Konferenz mit dem Titel „Grenzgänger in der Schweiz und in Luxemburg” an der Universität Luxemburg organisiert. Dazu haben wir Forscher:innen verschiedener Schweizer Universitäten eingeladen, um ihre Arbeiten über die Grenzgänger:innenbeschäftigung vorzustellen. Die Konferenz gliederte sich in drei zentrale Themen: Arbeitswelt, Alltagsrealitäten und gesellschaftliche Wahrnehmungen der Grenzgänger:innen. Unser Ziel war es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den jeweiligen Räumen herauszuarbeiten. Im Anschluss an die Konferenz gründeten wir mit den Forscher:innen aus der Schweiz und Luxemburg, die an der Fortführung des Austauschs interessiert waren, die Gruppe LABOR SwissLux.
Die Grenzgänger:innenbeschäftigung ist von Anfang an ein besonderer Schwerpunkt meiner Forschung. Angesichts der großen Zahl an Grenzgänger:innen, die in Luxemburg und der Schweiz pendeln, lag ein Vergleich zwischen diesen beiden Ländern nahe.
LABOR SwissLux bringt Forscher:innen aus unterschiedlichen Disziplinen, regionalen Kontexten und Sprachräumen zusammen. Wie zeigt sich diese Vielfalt konkret in Ihren Arbeiten und welche spezifischen Herausforderungen bringt sie mit sich?
Die Mitglieder der Forschungsgruppe LABOR SwissLux kommen aus verschiedenen Universitäten und Disziplinen, insbesondere aus den Bereichen Geografie, Wirtschaftswissenschaften, Soziologie, Kulturwissenschaften und Politikwissenschaften. Diese Disziplinen ergänzen sich sehr gut, da die Grenzgänger:innenbeschäftigung für einen mehrdimensionalen Untersuchungsgegenstand steht.
Der sprachliche Austausch wird durch die Mehrsprachigkeit in der Schweiz und in Luxemburg erheblich erleichtert. Unsere Kommunikationssprache ist Französisch, das die Schweizer Kolleg:innen, einschließlich jener aus dem italienischsprachigen Kanton Tessin, sehr gut beherrschen. Auf internationaler Ebene, etwa bei großen Fachkonferenzen, präsentieren wir unsere Arbeiten auch auf Englisch.
Die größte Herausforderung innerhalb der Gruppe ist der Zeitmangel, der uns stark einschränkt. Wir würden gerne mehr Zeit darauf verwenden, die vergleichende Analyse der jeweiligen Grenzräume weiter voranzutreiben. Zudem ist die Gruppe aus unseren jeweiligen Forschungsinteressen heraus entstanden und verfügt über kein eigenes Budget, was die Arbeit mitunter ebenfalls erschwert.
Welche Ergebnisse seit der Gründung von LABOR SwissLux erscheinen Ihnen besonders wichtig?
Die Konferenz, aus der die Gründung der Gruppe hervorging, war ein großer Erfolg. Sie führte zu einer innovativen Publikation in der UniGR-CBS-Reihe „Borders in Perspective“. Die vergleichende schweizerisch-luxemburgische Perspektive auf den grenzüberschreitenden Arbeitsmarkt war bis dahin wissenschaftlich noch nicht behandelt worden. Seitdem haben wir mehrere Bücher und Artikel veröffentlicht, die zum großen Teil auf der Website der Gruppe vorgestellt werden. Darüber hinaus haben wir 2022 die bislang letzte große Konferenz über die Grenzgänger:innenbeschäftigung in Europa mitorganisiert. Sie fand in Luxemburg statt und die Ergebnisse wurden in einem französisch-englischen Sammelband publiziert.
Zu unseren wichtigsten Ergebnissen zählt das wachsende Interesse am Thema der Grenzgänger:innenbeschäftigung, insbesondere der Vergleich zwischen Luxemburg und der Schweiz. Da wir zu diesem Thema häufig angefragt werden, sind wir überzeugt, dass ein echtes Interesse daran besteht, Fragen zur Grenzgänger:innenbeschäftigung in unterschiedlichen Kontexten gemeinsam zu behandeln und auch voneinander zu lernen.
Welche Forschungsschwerpunkte oder vorrangigen Projekte sind für die kommenden Jahre geplant? Und wie schätzen Sie die weitere Entwicklung der Gruppe LABOR SwissLux ein?
Unsere Gruppe gewinnt jedes Jahr neue Mitglieder hinzu. Jedes Jahr organisiert eine der Partneruniversitäten eine Tagung zu einem Thema, das sie besonders interessiert und mit der Grenzgänger:innenbeschäftigung in Verbindung steht. Die Tagungen ziehen zahlreiche Teilnehmende an und bereichern unsere gemeinsamen Überlegungen zum grenzüberschreitenden Arbeitsmarkt.
Zuletzt haben wir uns mit dem Thema der grenzüberschreitenden Bürgerschaft beschäftigt. Das Thema hat uns ermuntert, intensiver über die Entwicklung und Einreichung eines gemeinsamen Forschungsprojekts nachzudenken. Es würde ermöglichen, Zugehörigkeiten und Beteiligungsformen von Grenzgänger:innen in unseren Grenzräumen vertiefend zu untersuchen. Ein solches Forschungsprojekt würde der Gruppe eine eigene Finanzierung sichern und zugleich zu mehr Sichtbarkeit sowie weiteren Entwicklungsperspektiven beitragen.
Das UniGR-CBS bedankt sich für den Austausch.
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