Governing Border Regions: Im Gespräch mit UniGR-CBS-Fellow María Verónica Elías
Governing Border Regions: Im Gespräch mit UniGR-CBS-Fellow María Verónica Elías
Während ihres UniGR-CBS-Fellowships an der RPTU Kaiserslautern-Landau untersuchte María Verónica Elías von Ende Mai bis Ende Juli 2026 Governance in unterschiedlichen Grenzkontexten. Dabei brachte die Associate Professor of Public Administration an der University of Texas at San Antonio ihre Forschung zur Grenze zwischen den USA und Mexiko mit dem europäischen Kontext der Großregion in Verbindung. Im Interview mit dem UniGR-CBS spricht sie über die Unterschiede zwischen den beiden Grenzkontexten, die Rolle von Governance und Raumplanung sowie den internationalen Austausch im Rahmen des UniGR-CBS-Fellowship-Programms.
UniGR-CBS: Was hat Sie dazu motiviert, sich für das Fellowship des UniGR-CBS zu bewerben und in der Großregion zu forschen?
María Verónica Elías: Besonders angesprochen hat mich der interdisziplinäre Charakter des UniGR-CBS. Als ich das Fellowship-Programm entdeckte, war ich beeindruckt davon, wie Forscher:innen verschiedener Universitäten und Disziplinen gemeinsam an übergreifenden Fragestellungen der Border Studies arbeiten. Ein vergleichbares institutionelles Netzwerk war mir aus den Kontexten, in denen ich normalerweise arbeite, bislang nicht bekannt. Das Fellowship bot mir daher die Möglichkeit, diese Form der Zusammenarbeit unmittelbar kennenzulernen und der Frage nachzugehen, welchen Beitrag ein solches Modell zur Grenzforschung leisten kann.
UniGR-CBS: Sie beschäftigen sich in Ihrer Forschung insbesondere mit der Grenze zwischen den USA und Mexiko. Was ist Ihnen beim Vergleich mit der Großregion aufgefallen?
María Verónica Elías: Die beiden Grenzkontexte unterscheiden sich deutlich voneinander. In der Großregion ist die grenzüberschreitende Kooperation in einen breiteren europäischen Rahmen eingebettet und wird durch Programme und Institutionen unterstützt, die gezielt auf eine stärkere territoriale Integration ausgerichtet sind. An der Grenze zwischen den USA und Mexiko wird die Zusammenarbeit dagegen wesentlich stärker von Fragen des Handels, der Sicherheit und der Grenzkontrolle geprägt. Gleichzeitig stellen sich in beiden Kontexten vergleichbare Fragen hinsichtlich institutioneller Strukturen, politischer Prioritäten und der Auswirkungen von Entscheidungen übergeordneter Ebenen auf Grenzregionen.

María Verónica Elías stellt ihre Forschungsergebnisse beim UniGR-CBS-Seminar Border Studies im Juni 2026 an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken (Deutschland) vor.
UniGR-CBS: Was verstehen Sie unter „Governance in Grenzregionen”?
María Verónica Elías: Mich interessiert insbesondere, wie öffentliche Institutionen Gesetze und politische Vorgaben in die Praxis umsetzen. Der Begriff der Governance umfasst daher nicht nur formale Regelungen, sondern auch die beteiligten Akteure, die Werte und Normen, die Entscheidungen prägen, sowie die konkrete Umsetzung politischer Maßnahmen. Dies ist in Grenzregionen besonders relevant, da dort unterschiedliche rechtliche und administrative Systeme aufeinandertreffen und politische Entscheidungen unmittelbare Auswirkungen auf die alltägliche Mobilität und die grenzüberschreitende Kooperation haben können.
UniGR-CBS: Welche Auswirkungen haben politische und administrative Entscheidungen auf die Menschen in Grenzregionen?
María Verónica Elías: Politische Entscheidungen betreffen Menschen, die eine Grenze überqueren, um zu arbeiten, zu studieren, sich medizinisch behandeln zu lassen oder andere alltägliche Aktivitäten auszuüben. Veränderungen bei Grenzkontrollen oder Mobilitätsregelungen können sich daher unmittelbar auf ihre Lebensqualität auswirken. Aus diesem Grund ist es wichtig, die Erfahrungen der Menschen in Grenzregionen stärker in politische Prozesse einzubeziehen und Möglichkeiten zu schaffen, damit ihre Perspektiven in Entscheidungsprozesse einfließen können.

María Verónica Elías und Karina Pallagst, UniGR-CBS-Mitglied, während der Podcast-Aufnahme an der RPTU im Juli 2026 in Kaiserslautern (Deutschland).
UniGR-CBS: Wenn Sie auf Ihr Fellowship zurückblicken: Was haben Sie während Ihres Aufenthalts besonders geschätzt?
María Verónica Elías: Für mich waren die Menschen, die ich kennenlernen konnte, und die Kontakte, die während meines Aufenthalts entstanden sind, am wertvollsten. Ich hatte die Gelegenheit, mich mit Forscher:innen an verschiedenen Partneruniversitäten des UniGR-CBS auszutauschen, am Seminar „Border Studies” und am „Forum Großregion” teilzunehmen, Studierende und Kolleg:innen kennenzulernen und mögliche zukünftige Kooperationen anzubahnen. Darin liegt für mich eine der großen Stärken des Fellowship-Programms: Es schafft einen Rahmen, in dem neue Perspektiven und Kooperationen über Disziplin- und Institutionengrenzen hinweg entstehen können.
Das UniGR-CBS bedankt sich für den Austausch.
Die ON AIR-Podcastfolge zum Gespräch gibt es hier